Architektur macht Schule – Neues vom Bildungsbau

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Schulen vermitteln Wissen. Und, vielleicht wichtiger: Sie sozialisieren junge Menschen. „Deshalb muss die Architektur Räume schaffen, die diesen Prozess fördern“, sagt Professor Felix Schürmann. Der Architekt hat zusammen mit Ellen Dettinger den Bildungscampus Freiham in München erdacht und mit dem Gymnasium Trudering eine Schule gebaut, die Hoffnung macht.

„Es ist ein Irrtum, wenn die Schulen meinen, die Kinder müssten mit diversen sozialen Fähigkeiten zu ihnen kommen. Der Mikrokosmos Familie ist zu klein, um etwa die soziale Kompetenz zu vermitteln, wie man in einer großen, inhomogenen Gruppe seinen Platz findet“, ist Felix Schürmann überzeugt. Der Architekt ist Partner von felix schürmann ellen dettinger architekten in München und seit 2007 Professor für Gebäudelehre und Entwerfen an der Hochschule Biberach. Seine aktuellen Schulbauprojekte sind, neben vielen anderen, der Bildungscampus Freiham und das Gymnasium Trudering in München.

Da die Aufgabe der Schule über die Wissensvermittlung weit hinausgeht, muss auch die Architektur mehr leisten, als die funktionale Gestaltung von Räumen. „Im Grunde ist Architektur niemals rein funktional – sie ist immer die Schaffung von Möglichkeitsräumen, sie verleiht komplexen Beziehungen, wie es sie in Gesamtgesellschaft und Schule gibt, Struktur – und das ist ein Potenzial, das wir nutzen sollten“, ist Felix Schürmann überzeugt.

Konkret: Bei der Planung des Bildungscampus Freiham haben sich die Architekten an einem klassischen Dorf orientiert – mit diesen Gebäuden definiert sich eine Gesellschaft. Man denke nur an die „Die Feuerzangen-Bowle“. „Im Film wird es überdeutlich: Was nach innen wirkt und nach außen getragen wird, sind das Rathaus, die Schule, die Kirche. Schule ist also eine Kulturleistung und kein Zweckbau“, so Schürmann.

Zusammen mit dem Stadtschulrat Schweppe in München hat der Architekt analysiert, welche Beziehungen und Bedürfnisse in der Schule existieren – und die Möglichkeit zu deren Verwirklichung architektonisch berücksichtigt. Konkret: „Wir haben alle gemeinschaftlich genutzten Räume, wie Mensa oder Sportstätten, offen gestaltet und sie ins Zentrum geholt“, erzählt Felix Schürmann. „Wer beispielsweise gerade eine schlechte Lateinstunde hatte, kann sich selbst wieder aufbauen, indem er in der Pause seine Stärke als Sportler, etwa beim Basketball, zeigt – während andere auf den umliegenden Bänken ihre Brotzeit essen.“

Auch das Lernhaus-Konzept sorge dafür, dass Schulen mehr sind als Orte der Lehre. „Die Schulen der Zukunft bestehen aus Lernhäusern, die mit einzelnen Jahrgängen oder Schulzweigen besetzt werden. Zu jedem Lernhaus gehören mehrere Lehrer, die ihre Einheit zum Teil eigenständig führen und die ihre Schüler über mehrere Jahre begleiten“, so Schürmann. Ein Gesamtlehrerzimmer gibt es in diesen Schulen nicht mehr, mit dem Effekt, dass die Frontenbildung zwischen Lehrern und Schülern entfällt. „Lehrer übernehmen in diesen Häusern die Verantwortung für die Förderung jedes einzelnen Schülers – das ist eine ganz andere, eben eine positive Lernatmosphäre, zu der die Architektur beiträgt.“

Wer in das Thema tiefer einsteigen möchte: Felix Schürmann hält den Vortrag „Vom Bau einer guten Schule“ auf der Fachtagung ‚Bau und Betrieb von Bildungseinrichtungen‘
am 7. + 8. Dezember 2015 in München.
Weitere Informationen: www.management-forum.de/bildungsbau

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